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Ausgaben von UK Abgeordneten + Crowd-Sourcing = Transparenz

Manchmal gibt es Ideen, die sind so genial, so wichtig und nachdem sie jemand hatte auch irgendwie so offensichtlich, dass man zwangsläufig etwas neidisch wird, nicht selbst darauf gekommen zu sein. Der britische Guardian hatte just vor ein paar Wochen diese Idee und das Ergebnis ist diese Webseite: http://mps-expenses.guardian.co.uk/ .

In Großbritannien gibt es ja nun seit rund zwei Monaten im Tagestakt neue Enthüllungen über die Art und Weise in der britische Abgeordnete Geld des Steuerzahlers für sich ausgeben. Hintergrund ist eine seit längerer Zeit anhaltende Debatte darüber, wie viel die Öffentlichkeit über die Bezahlung und insbesondere die Spesenkonten ihrer Parlamentarier wissen sollte.

Im Mai veröffentliche die britische Tageszeitung “The Telegraph” eine erste Analyse dieser Ausgaben anhand von Quittungen und Abrechnung, die unter eher nebulösen Umständen beschafft wurden. Seit dem reißen die Enthüllungen nicht mehr ab, der Parlamentpräsident (Speaker of the House) musste zurücktreten. Mittlerweile hat das britische Unterhaus die kompletten Abrechnungen samt Quittungen und Belegen der Jahre 2004-2008 eingescannt und im Internet veröffentlicht. Diese Transparenz (wenn auch vollkommen unfreiwillig) ist schon einmal sehr gut, aber bei insgesamt über 1 Million Dokumenten (!) stellt sich natürlich die Frage nach dem Nutzen – vielleicht war ja auch gerade eine Idee, dass die eklatanteren Verfehlungen in der schieren Menge an Daten einfach untergehen.

Der Guardian hatte zwar die ursprüngliche Story verpasst, dann aber doch noch die richtige Idee: Alle Dokumente wurden eingescannt und die Leser aufgerufen, mit Hilfe eines simplen Interfaces Interessantes von Uninteressantem zu trennen und die Dokumente zu markieren, die die Journalisten des Guardian sich genauer anschauen sollten. In den letzten drei Wochen wurden mit Hilfe der Leser schon über 40% der Dokumente begutachtet mit einigen interessanten Erfolgen.

Die technische Leistung ist beeindruckend – die ganze Seite wurde innerhalb nur einer Woche fertigstellt – und für das Problem des Informationsüberflusses ist die Guardian-Idee eine wirkliche gute Lösung, schließlich sind genügend Bürger vorhanden, die ausreichend motiviert sind, sich die Ausgaben ihres Repräsentanten einmal genauer anzuschauen. Zwar mag man sich über den Grad an Offenheit streiten, doch die damit zu Tage geförderten Erkenntnisse, die von einfachem amoralischen Verhalten bis hin zum klaren Betrug reichen (siehe hier für eine Übersicht – ja, der Guardian benutzt auch Google Spreadsheets), scheint die Strategie zu rechtfertigen.

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Dieser Beitrag "Ausgaben von UK Abgeordneten + Crowd-Sourcing = Transparenz" wurde am 10.07.2009 um 15:01 in der Kategorie E-Demokratie, E-Transparenz, International, So sollte es sein veröffentlicht. Du kannst der Konversation durch das abonnieren des RSS 2.0-Feeds folgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder von deiner eigenen Seite auf den Beitrag verweisen.

Ein Kommentar zum Post: “Ausgaben von UK Abgeordneten + Crowd-Sourcing = Transparenz”

  1. Kurzgefasst: Crowdsourced document analysis, Standards für Bürgerhaushalte, Dreyfus über die “public sphere”, ODBook » Internationales, Kurzgefasst » E-Demokratie.org Says:

    [...] und Quittungen durchzuarbeiten und nach Auffälligkeiten zu durchsuchen. Das ist bereits das zweite Mal, das Sam und sein Team die Bevölkerung um Hilfe (Crowdsourced document analysis) bei der [...]

 

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