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Social Media und elektronische Demokratie

Schon seit 2002 kursiert der Begriff soziale Software im Internet. Clay Shirky, der die Terminologie maßgeblich prägte, definiert soziale Software als “Software die Gruppeninteraktion fördert.” Soziale Software fasst dabei eine Vielzahl von Programmen und Anwendungen zusammen, die das Internet oder lokale Netze als Medium nutzen, um soziale Gemeinschaften aufzubauen, zu erweitern und zu verwalten. Diese Art von Software ermöglicht das Entstehen von virtuellen, selbstorganisierten Netzwerken als auch den öffentlichen und privaten Austausch von Informationen. Letztendlich können alle Programme und Dienste, die partizipatorische und kollaborative Aktivitäten ermöglichen, unter diesem Begriff definiert werden.

Das wesentliche Ziel sozialer Software war anfangs die Förderung der zwischenmenschlichen Kommunikation im Internet. Die Entwicklung zeigt aber, dass die Auswirkungen viel weitreichender sind: Sie unterstützt das gemeinsame, kollaborative Erstellen, Verteilen von Informationen und sie ermöglicht sogar die Ausübung von öffentlichem Druck. Soziale Software erlaubt durch Syndikation die Personalisierung von Prioritäten. Sie führt Wissen zusammen, erweitert es und ist ein Werkzeug, um neues (aggregiertes) Wissen zu schaffen. Durch den Grad an Multikanalfähigkeit und die Verknüpfung mit klassischen Medien werden diese Informationen überall und für (fast) jeden zugänglich. Im Gegensatz zu klassischer Kommunikation finden heute nicht mehr nur die Nutzer die Informationen, sondern die Informationen finden auch den Nutzer.

Das macht natürlich auch nicht vor der Kommunikation zwischen BürgerInnen und politischen Mandats- und Entscheidungsträgern halt:
elektronischer Kanäle für politische Kommunikation

Während es Anfangs darum ging, Informationen zu sammeln und zu kombinieren zeigt die Entwicklung auch den Trend soziale Software ansich zu kombinieren und zu erweitern. Erste Entwicklungen in dieser Richtung waren zum Beispiel schon im Jahr 2007 bei Facebook.com zu erkennen: Der weltweit größte Anbieter für soziale Netwerke öffnete Ende Mai 2007 sein System für andere Anbieter (sozialer) Software und erweiterte damit den Wirkungsradius der „Gruppeninteraktionen“.

Die technischen Weiterentwicklungen und das Internet „on the go“, das unterwegs auf dem mobilen Endgeräten genutzt werden kann, führt zu einem neuen Grad der Digitalisierung von zwischenmenschlichen Kontakten, Schwarminttelligenz und sozialen Netzwerken.

Was hat das für einen Einfluss auf die elektronische Demokratie?

Soziale Software und soziale Medien verändern das kalte, anonyme Web zu einem (vermeidlich) vertrauten und persönlichem Medium, mit direkten Kanälen zu sozialen Kontakten aus dem analogen Leben aber eben auch darüber hinaus. Die Politik beginnt diese Art der Kommunikation mit in die Betrachtung bei der Entscheidungsfindung zu nehmen, bisher allerdings als Versuche auf den Wahlkampf beschränkt. Bisher eher zaghaft und mit viel Angst behaftet (primär Kontrollverlustangst, Versagensangst und womöglich die Angst vor Hyperpluralismus). Dabei wird eines schnell vergessen: das Internet und die soziallen Medien haben imenses Potential zur Stärkung einer pluralistischen, demokratischen und partizipierenden Gesellschaft. Doch nicht nur das, Partizipation sowie direkter Austausch zwischen Interessengruppen und Politikern stärkt die repräsentative Demokratie (PDF) und damit auch die “Macht” der repräsentativen Volksvertreter Entscheidungen im Sinne der Regierten zu treffen. Der Einsatz von sozialen Medien kann also dabei helfen neue Wege für eine moderne Demokratie zu finden, in der auch während der Legislaturperiode Informationen, Interessen und Forderungen aus der Bevölkerung in den politischen Alltag einfließen. Das soziale Web bürgt den Entscheidungsträgern dabei nicht nur mehr Last zu auf, sondern hilft ihnen auch mehr Last demokratisch zu verteilen. Die standardisierte Veröffentlichung und Bereitstellung von Regierungsinformationen mit der Hoffnung auf kollaborative Aufbereitung durch den Bürger stellt nur einen von vielen möglichen Ansatzpunkten für diese Entwicklung dar.

to be completed…

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3 Kommentare zum Post: “Social Media und elektronische Demokratie”

  1. Tim Says:

    Gerade im Bereich Dialog und Deliberation sollte darüber hinaus als weitere Richtung auch “Few-to-Few” betrachtet werden. Siehe mein Beitrag vom März: Few-to-Few, Where Art Thou?

  2. Tobias Escher Says:

    Thematisch passend: Die im vorhergehenden Post bereits erwähnte 2009 Conference on Electronic Democracy in Wien hat auch folgenden Workshop parat:

    “Social networking tools and widgets to promote or expand eParticipation initiatives.”

    Organisiert wird das ganze sowohl vom International Teledemocracy Centre, die ja schon lange auf dem Gebiet der ePartizipation aktiv sind, als auch vom Fraunhofer Institut ISI.

    Der Call for Papers findet sich hier:
    http://itc.napier.ac.uk/itc/projects/huwy/eDem2009_workshop_SNtools_cfp.pdf

  3. Sander Imobersteg Says:

    Guten Tag Herr Heise
    Mit grossem Interesse habe ich Ihren Beitrag zu diesem sehr interessanten Thema gelesen.
    Momentan schreibe ich im Rahmen einer Schularbeit, über das Thema: Digitaliesierung der sozialen Kontäkte.
    Wären sie ev. bereit, mit mir ein Interview, oder zumindest Gedanken über dieses Thema per Email zu führen?
    Es würde mir grosse Freude bereiten!
    Vielen Dank!
    Mit freundlichen Grüssen
    Sander Imobersteg

 

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Dieser Beitrag "Social Media und elektronische Demokratie" wurde am 26.05.2009 um 12:08 in der Kategorie E-Demokratie, Gedanken & Ideen, Social Media veröffentlicht. Du kannst der Konversation durch das abonnieren des RSS 2.0-Feeds folgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder von deiner eigenen Seite auf den Beitrag verweisen.