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Lokale elektronische Demokratie – ein Plädoyer

In den vergangenen 10 Jahren zielten viele Ansätze zur digitalen Entscheidungsfindung und Beteiligung auf die nationale oder globale Ebene. Laut einer aktuellen Studie des Pew Research Center’s nutzen aber schon heute 27% der amrikanischen Internet-Nutzer “digital tools to talk to their neighbors and keep informed about community issues.” Der lokale Aspekt gewinnt also im Netz immer mehr an Bedeutung.

Warum das für elektronische Demokratie so interessant ist? Ganz einfach: Beteiligung wird nur so greifbar! Die Illusion, dass man schon heute immense (oder auch nur halbwegs repräsentative) Reichweiten mit freiwilligen, nationalen Konsulationen über das Internet erreicht, muss ein Ende haben. Das Internet kann den Bürgerinnen und Bürgern helfen, die Beteiligungsmöglichkeiten in ihrem Umfeld wahrzunehmen, nicht aber globale Entscheidungen ohne Zusammenhang zu ihrer physischen Präsenz oder ihren Interessen zu treffen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Beteiligungsmöglichkeiten im direkten Umfeld sind greifbarer als die Themen einer nationale Konsultation ohne direkten Bezug zum Beteiligten. Von lokaler Ebene aus, lassen sich in vielen Fällen die Zusammenhänge von Entscheidungen für den Alltag der Menschen besser erklären und vermitteln, auch nach oben. Lokale Beteiligung verbindet Menschen über die digitalen Grenzen hinaus und kann das Commitment für Entscheidungen stärken. Lokale Beteiligung holt die Menschen dort ab, wo sich ihre Lebenswirklichkeit abspielt. Nirgends wird dies deutlicher als auf der Ebene, auf der sich die Menschen am nächsten sind.

Und noch mehr: Das Netz kann helfen diese Beteiligungsmöglichkeiten auffindbar zu machen und sie zu strukturieren. Darüber hinaus sind die Probleme der “klassischen” digitalen Beteiligungsmöglichkeiten, wie die Angst vor Entmenschlichung von Entscheidungen, fehlende Identifikation, das Partizipations-Effizienz-Dilemma und die Skalierungsdefizite auf lokaler Ebene einfacher zu adressieren als im nationalen Kontext.

Die Tools des Netzes bieten mit Nichten nur einen vereinfachten Zugang zur globalen Ebene sondern auch zum lokalen oder hyperlokalen Umfeld. Projekte wie foursquare und placeblogger.com sind nur zwei (leicht zu adaptierende) Beispiele für die spannende Verknüpfung von Content und Location im Rahmen des sozialen Netzwerkgedankens. Gemeinderäte, lokale Parteiinstitutionen und Bezirksversammlungen müssen sich von Anfang an diese Entwicklung zu nutze machen und sich stärker im Netz engagieren. Das beginnt bei der Organisation und endet bei der Transparenz.

Bis sich jedoch ein Trend zur Nutzung des Internets im lokalen Umfeld hier zu lande durchsetzt, wird es noch ein bisschen dauern, aber er wird kommen. Sicher ist: Die digitalen Werkzeuge können die Demokratie auf lokaler Ebene stärken, wenn man sie nutzt.

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Ein Kommentar zum Post: “Lokale elektronische Demokratie – ein Plädoyer”

  1. Konferenz zum Thema User-Driven Open Innovation, Government 2.0, ifib erhält Preis für Online-Partizipation, Standards für Open Data in den USA kommen aus Irland, “Let the sunshine in” Österreich » E-Demokratie.org Says:

    [...] fast zwei Jahren habe ich hier ein Plädoyer für den Einsatz elektronischer Beteiligungsformen auf lokaler Ebene geschrieben. In den letzten zwei Jahren ist in dem Feld leider nicht sehr viel passiert. Dennoch bleibt meine [...]

 

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Dieser Beitrag "Lokale elektronische Demokratie – ein Plädoyer" wurde am 18.07.2010 um 10:46 in der Kategorie E-Demokratie, Gedanken & Ideen, Kurzgefasst veröffentlicht. Du kannst der Konversation durch das abonnieren des RSS 2.0-Feeds folgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen oder von deiner eigenen Seite auf den Beitrag verweisen.