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E-Demokratie Linktipps für Januar 2010

Andrea Di Maio thematisiert in zwei Beiträgen für Gartner (IT-Marktforscher) die strukturelle Aufbereitung und den Unterschied von Kollaboraition und Partizipation:
1. “What’s the Difference Between Participation and Collaboration and How Do I Comply with the Open Government Directive?
2. “Can We Categorize Participation and Collaboration?
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Bloggende kanadische Beamte gucken in die Zukunft und zeichnen Ideen auf, wie social location sharing mit Regierungsaufgaben zusammenpasst.
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Sebastian Dörfler stellt auf politik-digital.de die neuen Netzpolitiker im Bundestag vor. Ein gutes Fazit findet sich in den Kommentaren: “Keiner von den Kandidaten der sich neu in das Netzleben einarbeitenden Politikern hat visionäre Kraft.”
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2020 ist der Mensch integrierter, selbstbestimmter und aktiver Teil unserer Gesellschaft, die möglicherweise in der Lage ist, 2030 den Staat durch eine völlig neue Verwaltungsform abzulösen.

In einem Gastbeitrag für das Hamburger Abendblatt, wirft Christine Ebeling einen sehr positiv geprägten Blick in die Rolle des Bürgers in den nächsten Jahrzehnten.
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Der Guardian hat sich kein geringeres Ziel gesetzt als ueber das Internet verfügbaren Informationen über Regierungshandeln zu aggregieren und durchsuchbar zu machen. Bisher lassen sich mit World Government Data Regierungsinformationen der Staaten Australien, Neuseeland, Großbritanien und der Vereinigten Staaten durchsuchen. Die Plattform greift dabei auf Schnittstellen zurueck, die im Rahmen der nationalen OpenGovernment-Initiativen der genannten Laender auf den Portalen zur Verfuegung stehen. Weitere Informationen findet man im DataBlog des Guardians.

Kurzgefasst: BMI-Gruschel-Dings, Liquid Democracy, Technologie und Demokratie, Konferenzen und Termine 2010, UK ePetitioning, Core Principles for Public Engagement

Am 19.1 ludt Thomas de Maizière unter dem Motto “Perspektiven deutscher Netzpolitik” zahlreiche Netz-Protagonisten zum Dialog über Datenschutz ein. Netzpolitisches Ziel laut BMI: Vertrauen, Freiheit und Sicherheit – dies auch im Internet zu gewährleisten, sei das Ziel staatlicher Bemühungen. Mehr über das BMI-Gruschel-Dings bei meinem Arbeitgeber.
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Anfang Januar stellte die Berliner Piratenpartei ihr Experiment mit einem neuen Demokratiekonzept vor: “Liquid democracy” soll im ersten Testlauf die parteiinternen Entscheidungsfindung unterstützen und die “Vergünung” vermeiden. Dabei handelt es sich um eine Art Framework für digitale, politische Meinungsfindung bei der repräsentative Demokratie mit direktdemokratischen Elementen verbunden werden soll. “Liquid Feedback”, ein OpenSource-Projekt des Public Software Group e. V., stellt die Softwareumgebung für die Einführung des Konzepts bei der Piratenpartei dar. Mit dem Tool sollen alle Möglichkeiten von Informationstechnologie genutzt werden um demokratische Entscheidungsprozesse zu begleiten und zu fördern. Die Software wurde seit Oktober 2009 entwickelt und steht auch anderen Organistationen zur Verfügung. Mehr dazu auch auf heise.de.
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Bereits im Dezember stellte Evgeny Morozov von der Georgetown University im britischen Prospect Magazine die Annahmen, dass das Internet und die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre eine Gesellschaft demokratischer machen kann in Frage. Eine interessanten Kommentar dazu liefert nun Charlie Beckett, Direktor von POLIS (ein Journalismus- und Gesellschafts-think-tank der LSE und des London Colleges of Communication) in seinem Blog. Darueber hinaus aeusserte sich auch Clay Shirky und reagierte mit einem eigenen Text in dem britischen Magazin auf die Kritik von Morozov.
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Wordle-Cloud der britische ICT Strategie

The Great Emancipator (Mick Phythian) äussert sich zur neuen Version der britischen ICT Strategy auf dessen Grundlage auch data.gov.uk entstanden ist. Die die aktuelle Version des Reports kann Paragraph für Paragraph auf http://writetoreply.org/govictstrategy/ kommentiert werden. Auf data.gov.uk hat die britische Regierung rund 3.000 Datensätze aus allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung publiziert und ermöglicht den Zugang via offenen Schnittstellen nach dem Beispiel des amerikanischen data.gov. Daniel Dietrich vom Open Data Network hat sich die Plattform genauer angeguckt.
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Vom 06.05 bis zum 07.05.2010 findet an der Donau-Universität im oesterreichischem Krems die diesjährige EDem statt. Bis zum ersten März 2010 können wissenschaftliche Papiere rund um das Themen elektronische Demokratie und elektronische Beteiligung eingereicht werden. Die EDem10 widmet sich den folgenden Themenbereichen, zu denen das Paper eingereicht werden kann:

* Transparency & Communication (freedom of information, free information access, openness, information sharing, blogging, micro-blogging, social networks, data visualization, eLearning, empowering, …);
* Participation & Collaboration (innovation malls, innovation communities, bottom up, top down, social networks, engagement and accountability, collaborative culture, collaboration between C2C, G2C, …);
* Architecture, Concepts & Effects (access and openness, user generated content, peer production, network effects, power laws, long tail, harnessing the power of the crowd, crowd sourcing, social web, semantic web, …);
* Different Fields: open government initiatives, eDemocracy, eParticipation, eVoting, eDeliberation;
* Approaches and Disciplines: law & legal studies, social sciences, computer sciences, political sciences, psychology, sociology, applied computer gaming and simulation, democratic theory, media and communication sciences;
* Multidisciplinary and Interdisciplinary Approaches;
* Research Methods.

Der genaue Ablaufplan für die Konferenz steht zwar noch nicht zur Verfügung, spannende und hochkarätige Sprecher lassen aber auf ein tolles Programm hoffen. Mehr Informationen auf der Webseite der EDem10.
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Der OpenHackDay wurde verschoben. Das Event findet nun nicht mehr am 24. und 25. April sondern am 17. und 18. April 2010 in Berlin statt. Weitere Informationen unter: http://opendata.hackday.net/de.
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Auch das PolitCamp10 wurde verschoben und findet nun vom 20. – 21. März 2010 in Berlin im Radialsystem VI statt. Hier eine kurze Zusammenfassung des letztjährigen Events.
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Nebenan bei pep-net.eu fasst Bengt Feil den Januar im eParticipation News digest 1st – 21st January 2010 zusammen.
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Vom 26. bis 31. Juli 2010 findet die “e-Democracy, Equity and Social Justice 2010” (als Teil der IADIS Multi Conference on Computer Science and Information Systems (MCCIS 2010)) in Freiburg statt.
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In der e-democracy.org-Mailingliste fand eine sehr interessante Diskussion zum Thema UK ePetitioning statt sie kann öffentlich auf dowire.org nachverfolgt werden.
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Schon aus dem letzten Jahr, aber deshalb nicht weniger interessant, die Core Principles for Public Engagement:

The Public Engagement Principles (PEP) Project was launched in mid-February 2009 to create clarity in our field about what we consider to be the fundamental components of quality public engagement, and to support Barack Obama’s January 21st memorandum on transparency and open government. The following principles were developed collaboratively by members and leaders of NCDD, IAP2 (the International Association of Public Participation), the Co-Intelligence Institute, and many others.

Das sehr empfehlenswerte Dokument gibt es kostenlos auf http://www.thataway.org/ als PDF zum Download.

data.gov.uk: Was gibt es denn für Daten?

"Cool Britannia" in British History

Der österreichische Journalist und Blogger Georg Holzer hat sich nebenan bei k2020.at die Mühe gemacht eine Auflistung darüber zu erstellen, welche Daten aktuell auf der OpenData-Website des Vereinigten Königreichs (er nennt es “Cool Britannia“) angeboten werden:
Exemplarisch seien hier für jede Kategorie ein paar Beispiele heraus gepickt. Sie sollen zeigen, welche breite Menge es an öffentlichen Daten in Großbritannien seit letzter Woche gibt:

  • 47 Unfalldatenbanken könnten zur Vermeidung künftiger Unfälle herangezogen werden. Wo passieren die meisten Auto-Crashes? Welche Ursachen führten am öftesten zum Tod oder wo sind die Gefahren im Haushalt am größten?
  • 9 Datenbanken für Assoziales Verhalten beschäftigen sich auch mit rassistischen Übergriffen. Wo müsste man in Streetworker investieren? Wo sollte mehr Toleranz im Unterricht vermittelt werden?
  • 14 Datensätze drehen sich ums Thema Asyl, 9 Datensätze drehen sich um die Einwanderung: Hier könnte es aktuelle und historische Vergleiche zu Migrationsströmen geben. Woher kamen die Flüchtlinge im Laufe der Zeit?
  • 79 Mal geht es ums Geschäft: Von allen möglichen Kennzahlen bis demografischen Eigenschaften von Gründern.
  • 8 Datenbanken gibt es alleine zu Einbruchsdiebstählen: Warum sind diese Daten bei uns nicht öffentlich? Wo wird oft eingebrochen und wie hoch ist die Aufklärungsquote in welchen Teilen des Landes? Wird irgendwo besser aufgeklärt als anderswo?
  • 198 Steuerdatenbanken geben sicher umfassende Einblicke.
  • 450 Datensätze gibt es zu sozialen Diensten.
  • 7 Mal geht es ums Thema Recycling auf der Insel, 14 Mal um Müll.
  • 21 Mal geht es ums Thema Verkehr, 54 Mal um den Tansport, 155 Mal um Straßen.
  • 358 Datensätze gibt es zu allen Aspekten der Demografie und der Bevölkerung.
  • 82 Mal dreht sich alles ums Einkommen der Briten.
  • Kinder sind 305 Mal ein Thema, Eheschließungen vier Mal.
  • Mit Drogen beschäftigen sich 40 Datensätze, 73 mit dem Tod.
  • 47 Mal ist Energie ein Thema, 25 Mal geht es um Emissionen.
  • 11 Datensätzen beschäftigen sich mit Obdachlosen, 111 mit Häusern.
  • und so weiter und so fort. Eine Komplett-Übersicht nach Themen gibt es bei data.gov.uk/data/tag.

Quelle: “Britischer Innovations-Treibstoff” auf k2020.at

E-Demokratie im Jahresrückblick 2009 [Update]

Pünklich zum Jahresanfang 2010 will ich das Jahr 2009 aus meiner Sicht mit dem Schwerpunkt elektronische Demokratie und elektronische Partizipation nochmal Revue passieren lassen. Bei Anmerkungen oder Fragen bitte einfach kommentieren.

Januar

Die SPD bekundet früh die Onlinekampagne zum “Herzstück” ihres Bundestagswahlkampfs zu machen. Wie ernst man das letztendlich gemeint hat, lässt sich Ende des Jahres in der Wochenzeitung Freitag in einem “Insider”-Bericht gut nachverfolgen.

Thorsten Schäfer Gümbel (TSG) hat in Hessen verloren. Trotz eines Wahlkampfs der interessante Online-Facetten aufwies, reichte es nicht für die erste deutsche Kopie von Obama.

Clay Shirky veröffentlicht einen sehr guten Text über den Medienwandel im britischen Guardian: The shape of things to come.

E-Participation in Business – Rolf Lührs von TuTech erläutert wie Unternehmen Internetdiskurse nutzen können, um innovativer zu werden. Meines erachtens ein legitimer und guter Weg für die Refinanzierung von E-Partizipationsprojekten.

In einem interresanten Interview spricht Medienwissenschaftlerin Caja Thimm über US-Präsident Barack Obama und die Möglichkeiten den Bürgern das Gefühl geben mitzuregieren.

Februar

Ministerin von der Leyen will Website-Sperren bis Ende Februar einzurichten. Die Debatte um die Sperrung von Internetseiten ist damit im vollen Gange.

Beitrag des Monats war für mich ein Artikel von Bengt Feil (pep-net.eu) zum Thema “The conflict between transparency and privacy in an online world“.

netzpolitik.org veröffentlicht einen Bericht mir dem Namen “Zwischenbericht zur Überprüfung der Ordnungsmässigkeit von Massnahmen der Korruptionsbekämpfung in den Jahren 1998-2007 (PDF)” und belegt damit die systematische Überwachung von Mitarbeitern der Deutschen Bahn auf. Transparenzinitiativen von staatlichen Unternehmen hätten darauf schon früher hinweisen können.

Ansonsten Februar war recht ruhig. Obama ist noch in aller Munde und der deutsche Wahlkampf lässt noch auf sich warten. In Bremen findet eine Konferenz mit dem Namen “Demokratie wagen – Debatten zur Zukunft der Gesellschaft” statt, auf der ich als Podiumsteilnehmer spreche und viel über die Angst von Lehrern vor dem Internet lerne.

März

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat am 3.März 2009, den Einsatz von Wahlcomputern im Jahr 2005 als verfassungswidrig eingestuft.

Am 4. März ist eParticipation Day.

Die CeBit konnte aus der Perspektive von E-Demokratie ruhig ignoriert werden, leider.

Ein erster Blick auf die Wahlportale bestätigt: Die Parteien sind und bleiben immer noch im Web 1.5 und “eine Webseite macht noch keine Online-Wahlkampagne“. Ein Betrachtung nach der Wahl bestätigt diese Einschätzung.

Das Finanzministerium startet den Online-Dialog auf www.für-alle-da.de. Eine nette Idee mit Verbesserungspotenzial. Leider wurde der Dialog nach der Bundestagswahl im September 2009 nicht verbessert sondern abgeschaltet.

Das Telekom-Paket führt zu Streit in der EU, nun geht es auch um Netzneutralität.

April

Anfang April fand in Berlin zum dritten Mal die re:publica statt, die sich selbst als “Social-Media-Konferenz” bezeichnet und auf der 2009 ein paar echte Größen der Netzkultur vertreten waren. Besonders interessant war dabei die Subkonferenz zum Thema “Politik 2.0 – Neue politische Öffentlichkeiten im Netz”.

Der Film “Us Now” wird offiziell veröffentlicht. Der eindrucksvolle Film setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Zivilgesellschaft durch einen neuen Umgang mit Demokratie unter Einbeziehung kollaborativer Internetprojekte funktionieren können und welche Auswirkungen das Konzept von Schwarmintelligenz auf ganze Staaten und deren Regierungsformen haben kann.

Finischen Wahlen 2008 werden vom obersten Verwaltungsgerichtshof nachträglich für ungültig erklärt. Bürger hatten gegen die mit Wahlcomputern durchgeführte Wahl geklagt. Es fehlten rund 232 der abgegebenen Stimmen.

Mai

Am 2. und 3. Mai van in Berlin das erste PolitCamp statt. Eine gelungene Veranstaltung mit vielen interesannten Teilnehmern und spannenden Vorträgen.

Ab dem 4. Mai kann man beim ePetition-System des Deutschen Bundestages die Petition Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten auf der Webseite unterzeichnen. Bis zum 16.06.2009 werden insgesamt 134.015 Mitzeichner die größte E-Petition bisher online mitzeichnen.

Der Wahl-o-Mat zur Europawahl der Bundeszentrale für politische Bildung ist das einzige “Onlineprojekt”, was mir vom Europawahlkampf im Kopf geblieben ist.

Nachdem der politische Informationsdienst polexia.de nicht mehr erreichbar ist, scheint auch Trupoli am Ende zu sein.

Keine “Bürgersprechstunde” und “abgesprochene Fragen”, so das Fazit zum ersten Townhall-Meeting als Wahlkampfauftakt im Fernsehen auf RTL mit der Kanzlerin Merkel. Das sah RTL anscheinend auch so -  das Video oder eine Information darüber ist auf RTL.de nicht mehr zu finden.

Der Onlinediskurs Bürgerforum 2009 (u.a. von der Bertelsmann Stiftung initiiert) endet mit der einem 16-Punkte-Plan für ein besseres und bürgernahes Europa.

Elektronische Aufrufe oder Beschwerden bei der Regierung sind eine große Chance für die Demokratie, urteilt eine im Mai veröffentlichte Studie des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zum Thema “Öffentliche elektronische Petitionen und bürgerschaftliche Teilhabe” (PDF). Genutzt werde diese aber nur selten.

Brasilianisches Parlament startet soziales Netzwerk.

Die US-Regierung macht ernst mit ihren Wahlversprechen und startet data.gov, das wohl weltweit-abitionieteste Projekt im Bereich der Transparenz von Regierungshandeln. Dazu ruft die Obamaadministration unter opengov.ideascale.com zum Ideensammeln für ein offeneres und transparenteres Regieren auf.

Bösees Twitter: Dass Horst Köhler im Amt bestätigt wurde, war auf Twitter schon vor der offiziellen Verkündung der Ergebnisse zu lesen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck verbot am Dienstag darauf das mikrobloggen aus der Fraktionssitzung. Es wird nicht das letzte Mal sein, das in 2009 etwas aus Sitzungssälen dringt.

Juni

Die schwedische Piratenpartei ist am 8. Juni ins Europaparlament gewählt worden. Mit einem Abgeordneten wird sie künftig in Brüssel vertreten sein. Das war auch der gefühlte Startschuss für die Verbreitung der Partei in ganz Europa.

Der Hamburger Bürgerhaushalt 2009 startet im Juni. Die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt dürften sich (wieder) an der Haushaltsplanung in Hamburg beteiligen. Unter dem Slogan „Hamburger Bürgerhaushalt waren die Bewohner aufgerufen sich an dem vierwöchigen Online-Diskurs über die zukünftige Ausrichtung des “Hamburger Haushalt: sparen oder investieren?” zu beteiligen.

Essen soll leiser werden” – im Juni startete die Beteiligungsplattform der Stadt Essen zum Thema Lärmaktionsplan mit Maßnahmen zur Lärmreduzierung. Ein gut umgesetzter Dialog.

Was auf der britischen Insel “Fix my street” heisst und von der NGO mysociety.org realisiert wurde, ist im Juni in Brandenburg mit dem Namen “Maerker.brandenburg” von dem Land selbst eingeführt worden. E-Demokratie.org hat den Macher des Projekts im September interviewt.

Am 30. Juni 2009 veröffentlichte die Initiative D21 den (N)ONLINER Atlas 2009. Fazit: Mehr Rentner und fast 70 % der Deutschen sind bereits online.

Juli

Wahlwerbung in Counterstrike, einem Bloggenden Steinmeier, Horst Schlämmer, Online-Abstimmung für FDP-Slogan, teAM Deutschland sieht ist der Onlinewahlkampf im vollen Gange. Bei den unterschiedlichen Angeboten ist eines schnell offensichtlich, es geht den meisten Angeboten nur um schnelles Marketing im Netz, nicht um nachhaltige Veränderung. Überraschung des Jahres ist das ZDF, das mit einem umfangreichen Angebot von Webinhalten zum Bundestagswahlkampf auftrumpft.

Der britische Guardian verbindet Informationen über die Ausgaben von UK Abgeordneten und Crowd-Sourcing zu einem einziartigem Transparenzprojekt. Unter http://mps-expenses.guardian.co.uk/ konnten die Bürger die Informationen nach Auffälligkeiten durchsuchen und diese an den Guardian melden.

August

Anfang August ging nach 5 Jahren eine “neue” Seite des Bundestags online. In der Mitteilung auf bundestag.de heisst es dazu “Schnell und verlässlich sollen die Nutzer des Internetauftritts des Bundestages finden, was sie an der Arbeit des Parlaments interessiert”. Fazit: Leider nur ein Relaunch und von der längst nötigen E-Transparenz-Initiative und nötiger Modernisierung keine Spur.

Die Uni-Mannheim veröffenlicht eine Studie zur Identifikation von Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von innovativen E-Participation-Anwendungen (PDF).

Bonn hat seinen ersten Online-Bürgerdialog zur Bürgermeisterwahl. obwahl-bonn.de ist ein Gemeinschaftsprojekt der Firma Ontopica, der Stiftung MITARBEIT und von Mehr Demokratie e.V. NRW.

Rolf Lührs glaubt nicht, dass die Bundestagswahlen 2009 im Internet entschieden werden. Mit seiner Prognose “Der Wahlkampf mit der Maus – alles für die Katz’?” von Ende August sollte er im Bundestagswahlkampf 2009 recht behalten.

September

Anfang September hat das Bundesinnenministerium (BMI) mal wieder zur Online-Beteiligung eingeladen – oder was man dort dafür hält. Es ging um die Nationale E-Government Strategie Deutschlands. Die Strategie enthält aber wenig Substantielles und noch viel weniger Interessantes: Am folgenreichsten ist noch die Initiative zu den sogenannten Bürgerportalen bzw. DE-mail, die ja mittlerweile schon in Gesetzesform vorliegt und 2010 deutschlandweit eingeführt wird. Ansonsten geht es größtenteils um verwaltungsinterne Modernisierung. Der Abschnitt zu E-Partizipation bleibt vage, aber irgendwie sollen sogenannte “Internet-Mitmach-Projekte” gefördert werden.

Am 7. und 8. September fand in Wien die Edem09 statt.

Die schlechte Netzpolitik lässt Deutschland in Internet-Rangliste zurückfallen – so IBM in einer globalen Studie über die “E-Readiness” der Staaten.

Laut einer Umfrage des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. bmängeln die Befragten, dass die Internetseiten der staatlichen Stellen bisher kaum über einen Rückkanal verfügen. “Das Internet ist aber keine Einbahnstraße, sondern ein interaktives Medium, das auch so eingesetzt werden sollte.” so BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer und untermauert damit altbekanntes mit Zahlen.

Auf u18.org konnte man kurz vor der Bundestagswahl nachverfolgen, wie 127.000 Jugendliche in eigens eingerichteten Wahlkreisen (offline) wählen gingen. Auf demos-monitor.de lobte Maren die Initiative, kritisierte aber zu Recht, dass  “die Möglichkeiten des Social Web nicht ausgeschöpft wurden und auch die Wahlen selbst nur offline stattfanden”.

Bundestagswahl 2009 im Netz:  Experten streiten, ob es einen wirklichen Onlinewahlkampf gab oder nicht. Knackieges Fazit von Sebastian Gievert: “Es gab kein parteipolitischer Youtube-Spot, kein Kandidatenprofil bei Facebook oder studiVZ und schon gar kein Twitter-Account hat die Schallgrenze von 100.000 Views, Unterstützern oder Followern geknackt.” Un in den folgenden Monaten hat sich wiedermal herrausgestellt, dass bis auf einige Ausnahmen viele der interaktiven Wahlkampfseiten ein ungepflegte weiterlaufen und nach dem Wahlkampf nicht in den politischen Alltag mit einbezogen oder überführt werden. Für die einzige Aufruhe sorgte die “neue” Piratenpartei, die ich allerdings auch nicht die Veränderung bringen konnte.

Oktober

Nach 2007 und 2008 ging die UnKonferenzserie “BerlinIn…” im Oktober 2009 in die dritte Runde. Über 50 internationale e-democracy-Praktiker aus 19 Ländern kamen Mitte Oktober in Berlin zur internationalen e-Partizipations-Konferenz “Berlin in October” zusammen. Mehr über Dokumentation und Output im UnConference-Wiki.

Nachdem die US-Regierung im Mai mit data.gov einen großen Schritt in Richtung Online-Transparenz gegangen ist, folgte die britische Regierung dem Vorbild und startete data.gov.uk.

Das Projekt e-participation.net von politik-digital.de und dem British Council Berlin wird mit dem European e-Democracy Award 2009 in der Kategorie European Civil Society ausgezeichnet.

Über 20 Vertreter von Parteien, Netzwerken und Unternehmen schlossen sich zusammen und gründeten am 22. Oktober das OpenData Network. Ziel des Verbunds ist es die Themen OpenAccess, OpenGovernment, Transparenz und Partizipation koordiniert auf die politische Agenda zu bringen.

November

Anfang November erscheint ein großartiges PDF-Paper mit dem Namen: Promising Practices In Online Engagement vom Public Agenda’s Center for Advances in Public Engagement (CAPE). Es beschäftigt sich mit den Themen Kollaboration und Befähigung, den Dialog sowie der Einbeziehung von Bürgern in politischen Prozessen (inklusiver schöner Fallbeispiele).

Die europäische Kommission veröffentlicht die Studie E-Government Report 2009: “Smarter, Faster, Better eGovernment” ? Deutschland steigt in dem Ranking der besten europäischen eGovernment-Länder aus den Top10 ab. Insgesamt rangierte Deutschland 2007 noch im Mittelfeld, im aktuellen Ranking 2009 rutschte Deutschland weiter ab.

Unter schwedischer Ratspräsidentschaft fand vom 18. bis 20. November 2009 in Malmö ein Gipfel zur Zukunft von eGovernment in Europa statt: eine europäische eGovernment-Deklaration der Minister stellte die Zielvorgaben der EU bis 2015 vor, nach den Vorgaben soll E-Government in Europa bis 2015 deutlich besser werden – im Detail wurde aber nichts wirklich neues verankert, was auch nicht schon 2005 und 2007 beschlossen wurde.

Dezember

Obama stellt am 8. Dezember sehr ambitionierte Ziele und Zeitpläne für seine Open Government Directive seiner Regierung auf (PDF), demnach muss jede US-Bundesbehörde in 60 Tagen eine Open-Government-Website und in 120 Tagen eine individuelle Strategie für Internetkommunikation vorweisen.

Beinahe vergessen: Der mehrfach ausgezeichnete Kölner Bürgerhaushalt auf http://www.stadt-koeln.de/buergerhaushalt wurde mit über 11.000 registrierten Teilnehmern das zweite Mal durchgeführt. Eine Evaluation des Verfahrens wird zurzeit durch die Universität Bielefeld im Auftrag der Stadt Köln erstellt. Sobald die Auswertung zur Verfügung steht – gibt es auch hier mehr dazu.

In Italien initiieren Blogger mit dem “No Berlusconi Day” eine Riesendemonstration gegen die Regierung um den Ministerpräsidenten Berlusconi. Dabei bedienen sie sich dem kompletten Toolkit des Web 2.0.

Politik-Digital.de hat sich die Mühe gemacht die netzpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen herauszufinden.

Twitter ist wieder da und erlangte meine Aufmerksamkeit im Dezember durch drei Situationen: Die Massenproteste in Iran verdeutlichen ein nützliches Anwendungsgebiet für Twitter, ein Tweet des Grünen-Abgeordneten Helge Limburg führte bei der Generaldebatte zum Landeshaushalt 2010 im Niedersächsichen Landtag zu einem Eklat und Politico kürt die Top Ten Tweets aus 2009.

Mit der Veröffentlichen des Buchs Online Deliberation: Design, Research, and Practice ist m. E. ein neues Standardwerk zum Thema (Online-)Deliberation gelungen.

Zum Abschluss des Jahres dreht sich dann alles um Ausblicke und Rückblicke: Fraser Henderson vom ICELE überprüft rückblickend die Vorrausagen von Bengt Feil für das Jahr 2009 im pep-net.eu Blog und kommentiert Chris Haller’s (e-participation.com) Ausblick in das Jahr 2010.
Ellen Miller von der Sunlight Foundation resümiert in dem Beitrag “It Was A Very Good Year” (for transparency) das Jahr 2009 und die letzten dreineinhalb Jahre der Stiftungsarbeit.

Kurzgefasst: Crowdsourced document analysis, Standards für Bürgerhaushalte, Dreyfus über die “public sphere”, ODBook

Guardian's: Investigate MPs' expenses (Teil 2)

Die britische Regierung hat vor ein paar Wochen aktualisierte Dokumente und Daten über die Ausgaben der Parlamentarier veröffentlicht. Simon Willison hat darauf hin mit einem kleinen Team beim Guardian seine Apllikation weiter entwickelt, mit deren Hilfe die Öffentlichkeit helfen soll, die rund 40.000 Anträge, Rechnungen und Quittungen durchzuarbeiten und nach Auffälligkeiten zu durchsuchen. Das ist bereits das zweite Mal, das Sam und sein Team die Bevölkerung um Hilfe (Crowdsourced document analysis) bei der Auswertung von Regierungsinformationen bitten. Unter http://mps-expenses.guardian.co.uk/ konnte bereits im Juni 2009 der erste Bericht ausgewertet werden. Mit der Überarbeitung der Plattform und dem neuen Auftritt unter http://mps-expenses2.guardian.co.uk/ hat man aus den Fehlern des ersten Projekts gelernt und hofft auf weitere, interessante Erkenntnisse rund um die Ausgaben der britischen Parlamentarier.
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Auf participatorybudgeting.org.uk wurde ein PDF (2,8 MB) zum Thema Werte, Prinzipien und Standards für Bürgerhaushalte veröffentlicht.
The document – Unpacking the Values – has been refreshed with tables for organisers to identify how their initative fits within the values, principles and standards along with case studies for each value to illustrate good practice.

Bereits Ende 2008 wurde ein ähnliches Buch veröffentlicht. In der aktuellen Auflage gehen die Autoren auf die aktuellen Entwicklungen ein und lassen die kritischen Anmerkungen zu ihrem Erstwerk einfließen. Auch wenn das rund 40-seitige Dokument stark auf die britischen Verhältnisse Zielt, stellt es dennoch auch für deutsche Bürgerhaushalte interessante Aspekte dar. Besonders gefällt mir der Versuch der Zusammenfassung von Standards für Bürgerhaushalte und die Definition für Bürgerhaushalte:

Participatory budgeting directly involves local people in making decisions on the priorities and spending for a defined public budget. This means engaging residents and community groups representatives of all parts of the community to discuss and vote on them, as well as giving local people a role in the scrutiny and monitoring of the process.

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Sehr interessanter Redebeitrag des Philosophie-Professors Hubert Dreyfus der Universitity of California in Berkeley über Habermas’s Konzept der “public sphere” und das Internet.

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Mit dem Buch Online Deliberation: Design, Research, and Practice ist Todd Davies und Seeta Peña Gangadharan ein neues Standardwerk zum Thema Online Deliberation gelungen. Auf über 320 Seiten finden sich 30 hervorragende Beiträge über die regelmäßigen Beteiligung von Stakeholdern in politischen und nicht-politischen Entscheidungsprozessen sowie herausragende Texte zur Definition eines neuen Stils demokratischer Praxis, in der die kollektiven Interessen und die Gruppendynamik in politische Online-Diskussionen und -entscheidungsfindung addressiert wird. Da in dem Buch neben wissenschaftlichen Exkursen auch Grundlagen vermittelt werden, eignet sich dieses Buch im gleichenmaßen für bloße Interessenten und Wissenschaftler, die sich mit dem Thema Online-Beteiligung und Deliberation beschäftigen.

Das Buch steht unter http://odbook.stanford.edu in seiner aktuellen Version kostenlos als PDF zum Download bereit.

Opendata Hackday : Hack the Government am 17./18. April in Berlin [Update]

Das Opendata Network wird in Partnerschaft mit HackdeOverheid aus den Niederlanden und hoffentlich in Zusammenarbeit mit vielen anderen im nächsten Frühjahr einen zweitägigen Hackday, bzw. ein Hackweekend organisieren.

Die Idee:
* Ein Wochenende + Hacker + Programmierer + Designer + Journalisten + andere Nerds
* Außerdem: Mehr oder weniger offene Daten aus öffentlicher Verwaltung und Politik
* Sowie: Ein Wochenende Zeit & unsere Innovation und Kreativität

* Ergebnis : Eine ganze reihe Anwendungen, die zeigen, dass man in so kurzer Zeit mit öffentlichen Daten eine ganze Reihe von Anwendungen, Webseiten, Mashups, Visualisierungen usw. programmieren kann manchen die einen echten Nutzen für Bürgerinnen und Bürger bieten.

* Termin: 24. und 25. April 201017. und 18. April 2010
* Ort: Berlin
* Location: Die genaue Location muss noch gefunden werden

Hack the Government – auf Deutsch ungefähr “die Regierung hacken” – Was soll das sein?

Hinter dem reißerischen Namen versteckt sich nicht etwa ein illegaler Hackerangriff auf die Regierung, sondern ganz einfach eine zweitägige Veranstaltung, in Form eines Barcamps, der an zwei Tagen Programmierer, Webdeveloper, Designer, Researcher, Journalisten und andere zusammenbringt. Ziel der Veranstaltung ist es zu zeigen, dass sich innerhalb kurzer Zeit und mit wenig Geld viele kreative und innovative Anwendungen programmieren lassen, mit Daten der öffentlichen Verwaltung auf eine neue Art und Weiße zugänglich machen und so einen echten Nutzen für Bürgerinnen und Bürger haben.

Ziel der Veranstaltung ist es junge Menschen zusammenzubringen damit diese gemeinsam erkunden und diskutieren wie sie mit Daten der öffentlichen Verwaltung dazu beitragen können Regierung und Verwaltung offener, transparenter zu gestalten und mehr Interaktion und Partizipation zwischen Bürger und Regierung zu fördern.

Außerdem hoffen wir, mit dem Opendata Hackday eine breite Öffentlichkeit auf die Themen Open Data und Open Government sowie auf das Potential für Innovationen aufmerksam zu machen, das im freien Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu Daten aus Politik und öffentlicher Verwaltung steckt.

Mehr zur Veranstaltung auch unter: http://opendata.hackday.net/

(e-)Petition fordert vorerst die Deaktivierung der Website epetionen.bundestag.de

Die Webseite zum Einreichen elektronischer Petitionen

Webseite zum Einreichen elektronischer Petitionen (epetitionen.bundestag.de)

Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine ePetition den Umgang mit ePetitionen behandeln würde. Nach dem es schon zum Start des Systems viel Kritik zum neuen e-Petitionssystems des Bundestags gab, folgte am 25.11.09 eine elektronische Petition von Wilhelm Kapp eingereicht die eine Vielzahl der Mängel des technischen Systems und seiner Einbettung in den politischen Alltag aufgreift. Petenten ist die vertiefte Evaluation und öffentliche Diskussion über die vom Bundestag angebotenen Beteiligungsmöglichkeiten.

Der Petitionstext:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass 1.) die Website epetionen.bundestag.de vorerst deaktiviert wird, damit verbunden 2.) der Online- Petitions- Service des Bundestages vorerst ausgesetzt wird und 3.) die dafür aufgewendeten finanziellen Mittel zur Evaluierung wirksamerer direkter demokratischer Partizipationsmöglichkeiten der BürgerInnen der Bundesrepublik in Zeiten der “Digitalen Revolution” in einem offenem Forum mit allen im dt. Bundestag vertretenen Parteien eingesetzt wird.

Die Begründung:

Online- Petitionen an den Deutschen Bundestag sind sinnvoll, aber in ihrer jetzigen Form wertlos, da
1.) sie nicht mit der ihnen gebührenden Ernsthaftigkeit von den Mitgliedern des Deutschen Bundestages behandelt werden und demnach der politische Willensbildungsprozess der Petenten meist nicht honoriert wird
2.) sie nicht in einer Sitzung des Deutschen Bundestages behandelt werden, sondern von einem Petitionsausschuss, auf dem selten bis nie öffentliche Aufmerksamkeit liegt, wodurch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien in der Lage sind, ihnen unangenehme Themen leicht zu übergehen
3.) die Einflussnahme der BürgerInnen der Bundesrepublik Deutschland durch Petitionen auf legislative Entscheidungen des Deutschen Bundestags gegen Null tendiert. Dies wäre z.B. durch verpflichtende Anhörungen im Sitzungen des Bundestag, bzw. spezifischer Fachausschüsse u./o. durch ein Vetorecht für legislative Beschlüsse des Deutschen Bundestags ab einer zu evaluierenden Anzahl an Stimmen zu ändern
4.) der Deutsche Bundestag nicht die ausreichenden Mittel zur Verfügung stellt, um eine reibungslose Funktionstüchtigkeit des Petitionsservers bei ständig steigenden Petentenzahlen auf Dauer zu gewährleisten
5.) die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien eklatante Defizite im Umgang mit den “Neuen Medien” aufweisen, was direkte Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Online- Petitionsangebots des Deutschen Bundestags hat
6.) aus der Erfahrung der vergangenen Jahre bekannt ist, dass es momentan mehr Sinn hat beim Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen ein Gesetzesvorhaben einzuleiten, als sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu wenden
7.) der Deutsche Bundestag u.U. still und heimlich den Online- Petionsdienst abschalten lässt OHNE über sinnvoller organisierte direkte Partizipationsmöglichkeiten für die BürgerInnen zu diskutieren
8.) die Möglichkeit zur Partizipation über mobile Endgeräte wie Handys und Smartphones nicht möglich ist. Vgl: 82,8 Millionen Handys in Deutschland nach BITKOM, August 2006 (also wahrscheinlich 80%-90% der Bevölkerung) zu 60% Internetanschlüssen in deutschen Haushalten nach Wikipedia – eine signifikante Steigerung der Petentenzahlen in Deutschland wäre dadurch möglich
9.) sie keine wirklich positive Entwicklung, weg von der momentanen Politikverdrossenheit in Teilen der Bevölkerung, erreichen kann
10.) der Deutsche Bundestag diese Petition, selbst wenn sie 50.000 Petenten erreicht um im Petitionsauschuss angehört wird, nicht ernsthaft behandeln wird

Auch wenn der Petitionstext vielleicht ein bisschen zu scharf und eine Abschaltung zur Zeit eher kontraproduktiv wäre, so ist die Begründung schlüssig und sinnvoll (mehr dazu auch in deinem Text meines Kollegen Kai Biermann). Die Forderung nach einem “offenem Forum mit allen im dt. Bundestag vertretenen Parteien” erinnert mich allerdings an ein Projekt des Bundestags aus dem Jahr 2001/2002, als man unter der Domain http://www.elektronische-demokratie.de (heute 404-Seite auf der bundestag.de-Seite) ein offenes Forum zur “Modernisierung des Informationsrechts” angeboten hatte.

Der Bundestag hatte dazu im März 2002 den Antrag der Koalitionsfraktionen “e- Demokratie: Online- Wahlen und weitere Partizipationspotenziale der Neuen Medien nutzen” (BT- Drs. 14/8098) beschlossen. In diesem Rahmen hatte man Bürgerinnen und Bürger aufgerufen in einem Online-Forum zu Themen des Internet, insbesondere der Modernisierung des Informationsrechtes, unter Beteiligung von Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu diskutieren. Die Beteiligung war sehr gering und meines Wissens wurde das Projekt nie ausgewertet. Einige Bruchstücke der Seite findet man noch im Webarchiv.

Die oben geannte Petition kann man auf epetitionen.bundestag.de mitzeichnen.

Ein Bild von einem Haushalt

Die Summen, die Regierungen jedes Jahr ausgeben, sind nicht erst seit der Finanzkrise gigantisch und in der Folge schwer zu überblicken. Die britische Open Knowledge Foundation (ein Non-Profit) hat heute einen Prototyp vorgestellt, mit dem die Ausgaben der britischen Regierung visualisiert werden. Unter dem Titel WhereDoesMyMoneyGo gibt es nette Flash-Grafiken der Haushaltsausgaben, die man bis auf die einzelnen Regionen runterbrechen kann. Besonders interessant ist, dass die Daten der letzten 6 Jahre verfügbar sind, damit sind auch Trendanalysen möglich.

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Eine tolle Technik, die wohl auch Bürgern mit wenig Vorkenntnissen einen ersten Überblick ermöglicht. Der Prototyp bleibt allerdings zunächst auf einen recht hohen Level, die Daten sind so stark aggregiert, dass man keine Ahnung hat, wofür z.B. in Schottland im Bereich Housing and Communities im letzten Haushaltsjahr 1,7 Milliarden Pfund ausgegeben wurden. Aber hier scheint noch einiges geplant zu sein. Interessanterweise arbeitet die Open Knowledge Foundation auch mit der britischen Regierung an data.gov.uk zusammen (siehe unseren Artikel hier).

PS: Die Software hat mich gleich ein bisschen an den Gapminder von Hans Rosling erinnert und siehe da, er sitzt mit im Advisory Board. Wer seinen Talk auf der TED 2007 noch nicht kennt – unbedingt den Link oben anklicken. Selten war Statistik so aufregend – Google hat das genauso gesehen und die Software gleich mal gekauft.

http://www.e-demokratie.org/so-sollte-es-sein/www-data-gov-uk/
 

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